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GIE_14_dachfensterSpitzner
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Casa Rossa Chemnitz


Fast 30 Jahre stand das Gründerzeitgebäude Gießerstraße 41 leer.

Während die Umgebung nach und nach saniert wurde und sich der Chemnitzer Sonnenberg zum beliebten Quartier entwickelte, wurde das Dach undicht, die Holzdecken brachen ein und der Farn wuchs im Gebäude. Die Anstrengungen der Stadt Chemnitz das in privatem Besitz befindliche Gebäude wiederzubeleben verliefen jahrelang im Sande. Erst die Zwangsversteigerung ermöglichte die Rettung des Gebäudes kurz bevor es dafür zu spät war. Aufgrund des maroden Zustands des Gebäudes war es zunächst erforderlich, die Standsicherheit wiederherzustellen und die Bausubstanz zu sichern.

Die alten Holzdecken wurden schachbrettartig raumweise gegen Ziegel-Einhangdecken ausgetauscht, das Dach gegen Einsturz gesichert. Im Zuge des Deckenaustauschs wurden die früheren, vom Zwischenpodest des Treppenhauses zugänglichen Toiletten den Bädern der Wohnungen zugeordnet und ihre Decken auf das Niveau der Wohnungen angehoben. Liegt man nun in der hier eingelassenen Badewanne, blickt man durch ein raumhohes Fenster in die Baumkrone des Ahorns im Garten.

Im Kontrast zu den minimalistischen neuen Elementen wurden die Ziegelwände des Treppenhauses sowie Wände ausgewählter Bereiche in den Wohnungen behutsam vom Putz befreit, mit recycelten Originalziegeln ergänzt und hell lasiert. Dasselbe Prinzip bestimmt auch das Erscheinungsbild der Fassade: Akkurate Faschen verstecken die Fensterrahmen und fassen die schmalen Fensterflügel. Sie stehen im Kontrast zur ruppigen Ziegelfassade mit all ihren Unregelmäßigkeiten und den sichtbar belassenen Blessuren des letzten Jahrhunderts. Die Tektonik der Fassade wurde weiter herausgearbeitet: Betonstürze, Gesimse und Stahlträger wurden restauriert, das Ziegelmauerwerk mit Kassettierungen und Lisenen wurde neu verfugt und mit einer hellen mineralischen Lasur überzogen und hydrophobiert. In einem respektvollen Umgang mit der Bausubstanz wurde das Gebäude „weitergebaut:" Das Dach wurde komplett abgetragen und unter Wiederverwendung von Abbruchziegeln neu aufgebaut. Durch Aufklappen der hofseitigen Dachseite wird zusätzlicher Wohnraum geschaffen der sich auf eine großzügige, mit Schiebetüranlage erschlossene Dachterrasse orientiert. Die restaurierten Wohnungstüren wurden wieder exakt an alter Stelle eingefügt. Alle erhaltenswerten Zimmertüren des Gebäudes wurden gesammelt, restauriert und in der Wohnung „Es war einmal" im ersten Stock wieder eingebaut. In ihrem unlackierten Zustand zeigen auch sie die Spuren der Vergangenheit. Die Wohnungen unterscheiden sich auch darüber hinaus voneinander. So wurden z.B. im 3. OG lediglich die zwei hofseitigen Zimmer und die Bäder verputzt. Der Wohnbereich des „Brick Lofts" erstreckt sich ohne Zimmertüren bis in den Flur und ist komplett in Sichtmauerwerk gehalten. Die charakteristischen Materialien Ziegel, Holz (Eichenparkett), Schwarzstahl, Beton und Glas sind naturbelassen, geölt oder lasiert und bleiben in ihrer Materialität spürbar.

Das mit Solarthermie unterstützte Energiekonzept sorgt - gemeinsam mit hohen Dämmstärken - für eine ausgezeichnete Energiebilanz, die der eines Neubaus entspricht und den Standard KfW Effizienzhaus 100 erreicht. Die Schleifen der Fußbodenheizung sind besonders eng gelegt so dass die Vorlauftemperatur deutlich gesenkt und damit die Heizperiode weiter verkürzt werden konnte. Die Materialien wurden nach ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten ausgewählt.

Unterteilbare Raumgrößen von bis zu 55 qm und Original-Deckenhöhen von 3m bestimmen das Raumgefühl in den neuen Wohnungen. In Kombination mit den freigelegten Ziegeln entsteht ein transformiertes Gebäude, das vom Flair des Unperfekten gleichermaßen wie von der minimalistischen Ästhetik lebt.

Gießerstraße 41, Chemnitz

Fertigstellung 2020
Leistungsphasen: HOAI § 33 Lph 1 bis 9


Objektüberwachung: Matthias Taube
Tragwerksplanung: IB Trautvetter
Bauphysik: IB Kundisch
Brandschutz: AB Preißler 

Städtebauförderung für Sicherungsmaßnahmen
Standard KfW Effizienzhaus 100

Mitarbeit:
Nelly Prechtl
Lisa Strandl

fotos © Steffen Spitzner,  bodensteiner fest, Leonie Fest

DMK Award für nachhaltiges Bauen "Kategorie Wohnbau"
DAM Preis 2022 nominiert
Deutscher Ziegelpreis 2021 Sonderpreis
Fritz-Höger-Preis 2020 Winner Bronze
HeinzeAward´20 Beste Wohnungsbauten
HeinzeAward´20 Sonderpreis Nachhaltigkeit

03/2021 "Bau der Woche" german-architects
01/2021 baunetz
10/2020 baunetz wissen- mauerwerk
12.07.2020 db- deutsche bauzeitung
27.06.2020 Chemnitzer Zeitung
27.06.2020 Tag der Architektur
10.11.2019 Chemnitzer Morgenpost
19.09.2019 Chemnitzer Morgenpost
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