Alte Ziegelei Straubing


Die konsequente Nutzung aller Erdgeschoßflächen für das Gewerbe und aller Obergeschosse fürs Wohnen greift die Chance des Funktionsmixes auf und entwickelt daraus ein urbanes, lebendiges Quartier ohne Konflikte zwischen privat und öffentlich.

Stadträumliche Bezüge und übergeordnete Struktur

Das Bebauungskonzept spielt mit den Gegensätzen von Dichte und Offenheit. Die neue Struktur vereint die beide Baustrukturen der heterogenen Umgebung  freistehende Gebäude und geschlossene Bebauung - in einem Prinzip, dem Prinzip der offenen Blöcke. Der geschlossene Sockel definiert klare Raumkanten, die einen öffentlichen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen lassen. Die Fugen der darauf sitzenden Baukörper bieten optimale Besonnung und Aussenraumbezug der Wohnungen.  Mit dem Ziel, der Geiselhöringer Straße wieder mehr den Charakter einer innerstädtischen Straße, nicht einer Schnellstraße zu verleihen, wird die Bebauung hier geschlossen. Aus demselben Grund erfolgt auch die Einfahrt ins Quartier direkt von der Geiselhöringer Straße und  trägt so zur Entschleunigung der Geiselhöringer Straße bei.

Quartier  - Straßen für Menschen

Die gesamte Erdgeschoßzone des Quartiers ist konsequent dem Gewerbe vorbehalten, das sich um die Erschliessungskerne herum völlig frei dem Bedarf anpassen kann. Das konsequente Anheben der Wohnnutzung auf die oberen Geschosse schaltet jegliche Konflikte zwischen Öffentlichkeit und Privatheit aus. Der öffentliche Raum kann überall bis zum Gebäude reichen und muß keine Filterfunktion zwischen öffentlich und privat erfüllen. Räumlich klar gefaßte Stadträume bilden den atmosphärischen Rahmen für die vielfältige und intensive Nutzung eines urbanen Quartiers. Die dabei entstehenden Wohnungen verfügen alle über großzügigen Aussenbezug in Form von Loggien und Dachterrassen.

Architektur

Die Architektur besteht aus kubischen Baukörpern ohne das Straßenbild störende Balkone. Die Obergeschosse sind mit unterschiedlichen Gebäudetypologien durchmischt: Geschoßwohnungsbau, Reihenhäuser, Maiso-nettes.
Einschnitte in Form von Dachterrassen, Loggien strukturieren die Fassaden und bieten jeder Wohnung einen Freibereich. Das Farbkonzept sieht fein aufeinander abgestimmte,  erdige Töne vor.

Ideelle Qualitäten - Senioren und Kinder überall

Es gibt keine Mehrgenerationenhäuser, keine Seniorenwohnungen, sondern eine Durchmischung im gesamten Quartier. Der Mix verschiedener Wohntypologien, gepaart mit einem sozialen Hilfsdienst ermöglicht Hilfebedürftigen das Leben im integrativen, gemischten, sozialen Umfeld. Überschaubare Nachbarschaften teilen sich gemeinsame Außenräume (Höfe)

Aussenraumqualitäten

Die als Mischfläche konzipierte Aussenraum wird von allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt genutzt. Dies fördert die gegenseitige Rücksichtnahme und prägt das Quartier durch ein großzügiges Erscheinungsbild.

Öffentlich = Straße als Mischfläche
Halbprivat, der Hausgemeinschaft zugeordnet = Innenhöfe
Privat = Loggien und Dachterrassen

Alle Wohnungen erhalten einen großzügigen Aussenraumbezug durch Loggien oder Dachterrassen.

Energiekonzept

Die gut besonnten und kompakten Bebauungsstrukturen sind prädestiniert für eine Bebauung mit Passivhäusern bzw. Nullenergiehäusern. Die Anordnung des Gewerbes im EG erlaubt eine gute Besonnung der Wohnungen bei kompakter Bebauungsstruktur. Abwärme der Gewerbeeinheiten kommt den Wohnungen zugute.

Der geringe Energiebedarf wird weitgehend durch solare Energiesysteme gedeckt. Jede Gebäudeeinheit erhält ein BHKW, das jeweils mit einem Wärmespeicher und einer Zusatzkomponente, z.B. Abwärmenutzung der Bäckerei unterstützt wird. Die Abwärme der Gewerbeeinheiten wird in das System eingespeist und für das Warmwasser / Beheizung der Wohnungen genutzt
Die ungenutzten Dachflächen werden mit von unten unsichtbaren kristallinen Solarzellen mit 10° Aufständerung bestückt

Symbiose mit dem Bajuwarium

Der Biergarten wird dem Bajuwarium auf dem Quartiersplatz zugeordnet. Ein Teil der Parkplätze wird doppelt genutzt. Bei starkem Andrang kann ein Teil der Platzfläche (wassergebundene Kiesdecke) für Parkplätze verwendet werden.
Die Parkplätze des Bajuwariums werden bei gleicher Anzahl aussenraumverträglicher angeordnet
 

Straubing Bayern
Auftraggeber: Auslobergemeinschaft
Alte Ziegelei GmbH

Nichtoffener städtebaulicher Ideenwettbewerb
Mischgebiet Gewerbe und Wohnen

3,2 Ha